Ich hoffe, dass dieser Eintrag von Nutzen sein wird. Zunächst gehe ich ein wenig auf die Möglichkeiten ein, euer Freiwilligendienst-Visum zu verlängern. Danach gebe ich eine genaue Anleitung, was bei einer normalen Verlängerung alles zu beachten sei. Zum Schluss schreibe ich noch ein bisschen was darüber, wie man einen CPF beantragt und was die Vorteile davon sind.
Welches Visum
nochmal?
Also, zunächst
einmal sollten wir uns ins Bewusstsein rufen, mit welchem Visum wir
überhaupt durch die Gegend rennen. Das lässt sich vom RNE nicht so
leicht ohne Weiteres ablesen. Es heißt "VITEM 1". Das "VI" steht für visto und das "TEM" für temperário. Die Zahl
gibt die Kategorie des temporären Visums an. Dabei handelt es sich
um ein Visum für viele unterschiedliche Belange unter anderem für
wissenschaftliche Untersuchungen, spezielle Arten von Praktika, nicht
professionelle Sportler etc. etc. und eben auch Freiwilligendienste in sozialen Einrichtungen, also für uns.
Zwei verschiedene
Arten, das Visum zu verlängern
Nun gibt es zwei
verschiedene Arten das VITEM 1 zu verlängern. Einerseits kann das
Visum auf fünf Jahre verlängert werden. Das gilt jedoch nur, wenn
sich unsere Einrichtung dazu entscheidet, uns in eine wichtige
Position wie in den Posten des Geschäftsführers, Verwalters oder des Leiters der Einrichtung
zu erheben. Ich kenne mich mit jener besonderen Art der Verlängerung
nicht aus, da sie für mich keine Option gewesen wäre. Sollte sich
jemand mit Einwilligung der Einrichtung dazu entscheiden, sein Visum
in dieser Manier zu verlängern, sollte er sich klar
darüber sein, dass er eine sehr große Verantwortung übernehmen und
sich für einen großen Zeitraum zu einer ernsten Tätigkeit
verpflichten würde. Damit alles tatsächlich so klappt wie gewünscht,
empfehle ich das Konsultieren eines Anwalts mit Spezialisierung auf
Migrationsrechte, damit alles reibungslos über die Bühne läuft
(zum Thema Anwalt später mehr). Ich denke, die meisten
Freiwilligendienstler würden so eine Art von Visum ausschließen.
Ich möchte es jedoch der Vollständigkeit halber dennoch genannt
haben.
Die andere Art, das
VITEM 1 zu verlängern, wäre eine normale Verlängerung um ein Jahr.
Wichtig dabei ist, dass man dieses Visum nur genau um ein Jahr
verlängern darf. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn wir
beispielsweise den Vertrag mit unserer Trägerorganisation nur um ein
halbes Jahr verlängern würden, so müssten wir dennoch beim Antrag
angeben, dass wir um genau ein Jahr verlängern. Ansonsten geht es
nicht (brasilianische Bürokratie, ihr wisst schon...). Andererseits
kann das Visum über diesem Wege auch nur um maximal ein Jahr
verlängert werden. Eine weitere einjährige Verlängerung danach ist nicht möglich.
Einige
Vorbemerkungen
Ich möchte an
dieser Stelle darauf hinweisen, dass es von großem Vorteil ist, wenn
ihr bei der Beschaffung der Dokumente so genau wie möglich vorgeht
und euch gegen jedes auch noch so kleine Risiko absichert. Ich musste
viermal zur Polícia Federal fahren, bevor mein Antrag endlich
angenommen wurde und ich schreibe diesen Text ja vor allem auch,
damit die Leute nicht die selben Fehler begehen wie ich. Wenn ihr
alles so genau wie nur möglich macht, spart ihr euch eine Menge
Nerven, Zeitaufwand und Kosten.
Zusätzlich möchte
ich anmerken, dass ich natürlich keine Garantie für einen
erfolgreichen Visaprozess geben kann. Bei mir hatte alles
letztendlich geklappt und ich kenne auch zwei Leute, die 2016 verlängern
wollten (bei einer hat es bereits geklappt). Aber ich bin nicht
der brasilianische Staat oder die Polícia Federal. Mein Eindruck
ist, dass Willkür und Nichtwissen bei den Beamten auch immer eine
Rolle spielen können. Zum Beispiel wollte der Beamte, der meinen
Prozess bearbeitet hatte, ein Dokument von unserer Einrichtung mit
der Bestätigung, dass jene nicht auf dem Boden eines Ìndio-Reservates errichtet wurde. Das wird zum Beispiel bei den Visa-Voraussetzungen auf
der Seite der Polícia Federal nicht erwähnt. Außerdem hatte er mir
dann zunächst das falsche Visum in meinen Reisepass gestempelt
(VITEM 6 für Missionare, hihi!) und danach nochmal alles neu machen
müssen. Ich war bei der Polícia Federal in Sorocaba und kann auch
nur von meinen Erfahrungen dort berichten. Wie es in anderen
municípios oder estados aussieht, weiß ich nicht. Mein Rat: Immer schön naiv
tun, freundlich sein und alle Dokumente certo demais am Start haben.
Die Voraussetzungen
Auf der Seite der Polícia Federal findet ihr alles, was ihr braucht auf Portugiesisch.
Hier der Link über die Voraussetzungen für die Verlängerung desVITEM 1.
Nun die
Voraussetzungen nochmal auf Deutsch mit meinen Kommentaren:
-
Ihr wollt ein VITEM 1 verlängern. Bitte sagt das auch bei der Polícia Federal, wenn ihr nicht als Missionar enden wollt ;-)
- Das Antragsformular "Registro Nacional de Estrangeiro" gibt es auf der Seite der polícia federal. Ihr kennt es vielleicht noch von eurer Ankunft, als ihr euch anmelden musstet, um eure RNE zu beantragen. Es ist genau das selbe Formular. Einfach nochmal ausfüllen und ausdrucken.
- Ihr braucht eine beglaubigte Kopie von eurem aktuellen RNE (könnt ihr entweder im cartório machen und dafür bezahlen oder ich habe mir sagen lassen, dass dies neuerdings auch bei der Polícia Federal kostenlos geht. Kann ich nicht bestätigen. Bei meiner Verlängerung 2015 musste ich ins cartório gehen. Ich empfehle immer auf Nummer sicher zu gehen!)
- eine beglaubigte Kopie von eurem Reisepass (dabei gilt das selbe wie bei dem RNE bezüglich des Kopierens. Mein Sachbearbeiter wollte übrigens, dass ich alle Seite vom Reisepass kopieren lasse, inklusive die rotbraune Vor- und Rückseite. Ich weiß, dass das nicht viel Sinn ergibt, aber wie gesagt naiv, freundlich, Nummer sicher etc.)
- dann braucht ihr alle Dokumente aus der Einrichtung, die ihr bei eurem ersten Visa-Antrag bereits benutzt hattet noch einmal. Das wären die Einladung der Einrichtung, einen Beweis, dass eurer Lebensunterhalt sicher gestellt ist, die Satzung der Einrichtung, ein aktuelles Dokument über die Verwaltung der Einrichtung und ein Beweis über das ordentliche Funktionieren der Einrichtung. Zeigt euren Verantwortlichen am besten die Voraussetzungen auf Portugiesisch und sie werden schon wissen, welche Dokumente gemeint sind. Und natürlich alles schön beglaubigen lassen!
- einen simplen, tabellarischen Lebenslauf auf Portugiesisch (Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Verlängerung eures Visums davon abhängig sein wird, was ihr bereits in eurem Leben gerissen habt. Macht euch da keine Sorgen. Wirklich, ich hatte den hässlichsten, unwürdigsten Lebenslauf meines Lebens eingereicht und die haben da nicht einmal reingeguckt, bevor die mir die Stempel in den Pass gekloppt hatten. Es ist halt eine Voraussetzung.)
- Ihr müsst zwei Gebühren bezahlen (genannt GRU - Emissão da Guia de Recolhimento da União). Einmal für den Antrag (R$ 110,44)und dann nochmal für den neuen RNE (R$ 204,77). Die Formulare dafür müsst ihr über diese Seite der polícia federal ausdrucken. Bei "Código da Receita STN" gebt ihr jeweils den Code für die zu entrichtenden Gebühren an. Beim ersten Mal "140090" und für die zweite Gebühr "140120". Mit den ausgedruckten Formularen geht ihr dann vor eurem Besuch bei der Polícia Federal zur Banco do Brasil und bezahlt das Ganze. Dort bekommt ihr dann entsprechend zwei Belge, die ihr zusammen mit den anderen Dokumenten bei der Polícia Federal einreicht.
- zwei aktuelle Fotos 3x4. Aktuell bedeutet, dass ihr nicht die selben Fotos, wie beim ersten Mal benutzen dürft. Also einfach nochmal vorher zum Fotografen gehen, schlage ich vor.
Wenn ihr das alles zusammen einreicht, nichts fehlt und alles so weit in Ordnung ist, bekommt ihr einen Stempel in euren Reisepass und ein vorläufiges Papier-RNE (sollte euch vom ersten Mal noch bekannt sein). Dann wird der Sachbearbeiter sagen, wann ihr voraussichtlich die Plastik-RNE abholen dürft und ihr könnt den Laden mit einem Lächeln auf den Lippen verlassen. Herzlichen Glückwunsch! Ihr dürft für ein weiteres Jahr in Brasilien bleiben!
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass es sich bei den Dokumenten und allem Drumherum vielleicht um ein nerviges, aber notwendiges Erfordernis handelt, was jedoch noch viel wichtiger ist, ist eure Entscheidung zu verlängern. Schließlich handelt es sich hierbei um ein Jahr eures Lebens. Bedenkt auch, was das für eure Einrichtung und für eure Trägerorganisation bedeuten könnte. Übrigens ist die Verlängerung über eure Trägerorganisation nochmal ein anderer Prozess, den ihr mit den Leuten von dort besprechen müsst. Manchmal geht eine Verlängerung des Vertrages nicht, weil eure Stellen zum Beispiel schon mit neuen Freiwilligen besetzt sind. Klärt das! Wenn ihr keine Möglichkeit habt, über eure Trägerorganisation zu verlängern, könnt ihr schauen, ob es eine Möglichkeit gäbe, euren Aufenthalt als Praktikum in der Einrichtung zu verlängern (Jeitinho!), aber vergesst dann nicht, dass ihr dann für so Sachen wie Krankenversicherung, Kosten für die Rückreise und dergleichen selbst aufkommen müsstet.
Gibt es sonst noch andere Möglichkeiten in Brasilien zu bleiben?
Ja, die gibt es. Alles ist mit gewissen Risiken verbunden und das Wichtigste (wie leider so vieles im Leben) sind die richtigen Kontakte und Geld. Über andere Visa-Möglichkeiten werde ich nochmal in einem separaten Blogeintrag eingehen. Ich für meinen Teil kann von meinen Erfahrungen berichten und von dem, was ich so mitbekomme. Aber ich bin kein Experte. Doch es gibt andere Leute, die um einiges mehr wissen als ich. Gesetzt den Fall, alles bisher Aufgezählte würde für euch nicht funktionieren, aber ihr wollt trotzdem irgendwie und unbedingt in Brasilien bleiben, so gäbe es immer noch die Möglichkeit, sich einen Anwalt mit Spezialisierung auf Migrationsrechte zu suchen. Ich bin mit mehreren Anwälten befreundet, doch hatte schnell herausgefunden, dass Migrantenrechte normalerweise nicht mit zu einer normalen Juristenausbildung gehören. Deswegen hatte ich mir einen Anwalt gesucht, der sich auf dem Gebiet auskennt. Mein Visaprozess ist noch nicht durch, von daher kann ich über einen etwaigen Erfolg noch keine großen Worte verlieren. Die Erfahrungen, die ich mit meinem Anwalt gemacht hatte, waren aber bis jetzt sehr in Ordnung, weswegen ich Dr. Grover Calderón an dieser Stelle auch empfehlen möchte. Kostet übrigens alles in allem R$ 6.000 so ein Prozess. Ist also nur für die, die es ernst meinen ;-) Kann man übrigens in Raten abzahlen, für diejenigen, die gerade einen kleinen Schock bekommen haben :-D
Der magische CPF
Wo ich gerade von "in Raten zahlen" gesprochen habe. Ihr könnt euch ja sicherlich noch daran erinnern, dass ihr irgendjemanden brauchtet damals, der euch eine SIM-Karte organisiert, weil ihr keinen CPF hattet. Oder vielleicht ist euch bereits aufgefallen, dass ihr nichts in Raten bezahlen dürft, weil ihr ebenfalls keinen CPF habt oder dass ihr keine Flüge buchen könnt über einen brasilianischen Anbieter etc. etc. Ich würde sagen, wenn ihr eh schon am Verlängern seid, lohnt sich der Aufwand, ein CPF zu beantragen.
Erste und wichtigste Frage: Was war das überhaupt nochmal? Also, CPF steht für "Cadastro da Pessoa Física". Es handelt sich dabei um eine Steuernummer für natürliche Personen, die in der Datenbank des brasilianischen Haushaltsministeriums (Ministério da Fazenda, Secretaria da Receita Federal do Brasil) registriert werden. Bankkonten eröffnen, Autos kaufen etc. - also eigentlich alle alltäglichen Geschäfte des Lebens, die über den Wocheneinkauf hinausgehen, werden über den CPF abgewickelt. Obligatorisch für alle Personen, die eintragungsgpflichtige Güter und Rechte in Brasilien besitzen oder beziehen wollen (Ja, ihr habt es erraten: eine SIM-Karte ist ein eintragungspflichtiges, brasilianischens Gut). Oder auf gut Deutsch: Es handelt sich um ein System, um zu gewährleisten, dass die Bürger Brasiliens keine Steuern hinterziehen ;-) Und das gilt für Brasilianer genauso wie für Ausländer. Ich kann es auch noch einfacher formulieren: Ihr wollt euch irgendwas cooles kaufen, habt aber keine Lust, immer eure brasilianischen Freunde nach ihrer CPF zu fragen? Dann beantragt einfach eure eigene!
Nun, es ist schon einmal um einiges einfacher als die Visaverlängerung! Ihr braucht einfach nur eine einfache Kopie eures RNE oder Reisepasses (mit Vorzeigen des Originals natürlich). Damit geht ihr zu einer Banco do Brasil oder Receita Federal und beantragt den CPF. Das Ganze kostet R$ 7,00. Dann müsst ihr, sofern ihr nicht schon dort seid, euch zu einer Filiale der Receita Federal begeben (mit der Kopie eures Ausweises und dem Beleg über die Bezahlung!) und dort wird euch dann ein kleines graues Papier mit der magischen Nummer drauf ausgedruckt - eurer eigener CPF, der ein ganzes Leben lang gilt! Ich empfehle, mit dem Papier in eine papelaria zu gehen, wo man es euch dann in Plastikfolie einschweißt. Ansonsten würde es schnell kaputt gehen. Anmerkung: Als ich meinen CPF beantragt hatte, war ich bei der Post. Die Angestellten haben mir aber, als ich letztens einen Brief abschicken war, gesagt, dass es dort nun nicht mehr geht. Wie gesagt, ich rede hier immer nur von meinen eigenen Erfahrungen. Brasilien ist ein Bürokratiedschungel und das müsstet ihr mittlerweile wissen...
Was ich mit meinem CPF schon gemacht habe? Oh, ich habe zum Beispiel gerade meine erste brasilianische Waschmaschine gekauft und brauche nun nicht mehr mit Hand waschen <3 <3 <3 Ansonsten spitzt die Augen -> nachdem ich dreimal bei Vivo war, haben sich die Herrschaften dazu durchringen lassen, mir den einfachsten und billigsten Handyvertrag für R$ 40 im Monat anzubieten. Das heißt, dass ich mir jetzt nicht mehr jede Woche Sorgen darum machen muss, mir Handykarten zu kaufen. Außerdem habe ich um einiges mehr Freiminuten etc. Es ist echt empfehlenswert (vor allem, wenn man einen Anwalt in São Paulo hat, den man andauernd anrufen muss)...
Hui, was für ein pragmatischer Post nach so langer Zeit! Sollte er jemandem helfen, bin ich glücklich!
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