Das Wichtigste zunächst: Unsere Einrichtung sammelt gerade Spenden für ein neues Dach des Haupthauses. Das sieht nämlich gar nicht gut aus und gammelt schon an diversen Stellen. Bei Niederschlag drückt‘s auch manchmal durch. Keine besonders angenehme Situation, wenn man sich vor Augen führt, dass dort täglich Kinder ein und ausgehen.
| Ja, das sind tatsächlich Milchkartons :-( |
Deswegen habe ich mir überlegt, mich mit einem Spendenaufruf an euch zu wenden. Ich weiß, dass ihr mitunter bereits für meinen Dienst hier in eure Taschen gegriffen habt, wofür ich euch immens dankbar bin, es ist jedoch so, dass das CREAR zu 100% aus Spenden und Fördergeldern finanziert wird und es von daher immer mal wieder nötig ist, nach Leuten Ausschau zu halten, die bereit sind, etwas von sich für einen gemeinnützigen Zweck zu geben. Was man den Freunden der Erziehungskunst bei ihrer Arbeit auf jeden Fall zu Gute halten muss, ist, dass ihre Projekte langfristig und nachhaltig angelegt sind, das Geld hier auf jeden Fall an seinem Bestimmungsort landet und nicht etwa in irgendwelchen Korrumptionskassen, wie das bei manch anderen vermeitlichen wohltätigen privaten Hilfsorganisationen der Fall ist. Das über 20-jährige Bestehen des CREARs spricht auf jeden Fall dafür.
Also hier das deutsche Spendenkonto:
Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiner e.V.
GLS Bank Bochum
BLZ 430 609 67
Konto-Nr. 13042010
Wichtig ist der Vermerk: „Projektnummer 4065„, damit das Geld auch an seinen vorgesehen Bestimmungsort gelangt.
Vielen Dank schonmal für eure Aufmerksamkeit diesbezüglich! :-)
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| CREAR vom Fenster des Musikraumes aus betrachtet |
Alltag ist das richtige Wort, es hat sich nämlich bereits eine gewisse Routine eingestellt, was die Gestaltung meiner Arbeits- und Freizeit angeht. Im CREAR verbringe ich den Vormittag mit einer Gruppe von Grundschulkindern, die ihre Zeit vor der Schule, die für sie erst nachmittags beginnt, für das Kursangebot der Einrichtung nutzen. Dabei sind sie meistens mit Stickarbeiten, freiem Spiel sowie der Einnahme von festen Mahlzeiten beschäftigt.
Diese Woche habe ich endlich damit begonnen, eigene kleine Projekte anzubieten: Jeden Mittwoch gibt ab nun ein Slackline-Kurs für ein paar Leute. Für diejenigen, die es nicht kennen: Slacklining ist das Balancieren auf einem Spanngurt, der in der Regel zwischen zwei Bäumen befestigt wird, was Körperhaltung, den Gleichgewichtssinn und Psychomotorik schult, die Muskulatur kräftigt, und außerdem aufgrund schneller Erfolgserlebnisse und sozialer Interaktion auch eine Menge Spaß macht.
Seit letztem Donnerstag gebe ich zudem einen Gitarrenkurs für die älteren Kids. Wir haben mit Blues und „Stille Nacht“ angefangen (ja, die Weihnachtszeit grassiert bereits) und wie ich merke, würde ich bereits zu diesem Zeitpunkt einem meiner Probanden ein gewisses musikalisches Talent eingestehen. Für mich persönlich gibt es kaum etwas Großartigeres auf der Welt, als in einem Menschen die Liebe für die Kunst zu wecken. Ich bin der Überzeugung, dass die Betätigung in einem künstlerischen Feld, in meinem Falle das Gebiet der Musik, ein immenses Potential besitzt, den Menschen unabhängiger und freier machen, allen schon aus dem einfachen Grund, dass er eine Beschäftigung verrichtet, die auf Ästhetik und nicht auf Zweckrationalität basiert. Drei Gitarren habe ich im CREAR gefunden und neu besaitet, was bedeutet, dass ich derzeit nur drei Leute unterweisen kann. Das wird sich hoffentlich bald ändern, wenn die Gitarrenbestellung aus Deutschland angekommen ist, die mir die Freunde freundlicherweise für meine Arbeit gestiftet haben.
Ab nächster Woche werde ich auch jeden Dienstag Blockflötenunterricht geben, was eine recht spannende Herausforderung ist, da ich besagtes Instrument seit der zweiten Klasse nicht mehr in den Händen hielt. Zum Glück ist es nicht allzu schwer handzuhaben, wenn man sich wieder ein wenig reingefuchst hat, was bedeutete, dass ich in den Mittagspausen der vergangenen Woche immer mal wieder üben musste. Ich habe zum Glück auch pädagogische Literatur in der Einrichtung gefunden, sodass ich mir nun nicht auch noch die ganze Zeit Stücke ausdenken muss.
Musikalisch gestaltet sich übrigens auch meine Freizeit. Dadurch, dass mittlerweile meine Co-Freiwillige Lia angereist ist und ihre Querflöte mitgebracht hat, kommt es des Öfteren zu Stande, dass wir uns gemeinsam hinsetzen und Stücke proben, die wir im Zuge des Adventskreises für die Kindergartengruppen aufführen werden. Dabei hatte es sich ergeben, dass ich mich zum ersten Mal in meinem Leben ans ernsthafte Komponieren wagte und so ein Arrangement des Weihnachtsliedes „Maria durch ein‘ Dornwald ging“ für Querflöte und Gitarre auf Grundlage von Lias Querflötenbuch dabei heraus kam.
Diese Arbeit hatte mich dahingehend beflügelt, weiter Noten zu setzen und mittlerwile gibt es auch ein Blockflöten-Trio für „Stille Nacht“ sowie eine simple Version von John Lennons „It‘s Christmas Time“ für Flöte und Gitarre. Als nächstes sollen Arrangements für „Es ist ein Ros entsrungen“ und einem Lied von Caetano Veloso folgen. Darüber hinaus versuche ich Lia für Bossa Nova anzufixen und werde die Erzieher und Lehrer der Einrichtung auf freiwilliger Basis ebenfalls gitarristisch fortbilden, damit sie zum Beispiel Kinderlieder begleiten können. Gleichzeitig lerne ich dadurch brasilianische Kinderlieder und Portugisisch :-)
Nachmittags bin und bleibe ich weiterhin in der Baby-Gruppe und kann dabei vorrangig zweierlei Dinge beobachten: 1. Wie sich die Minis durch gewisse evolutionäre Stufen der Menschheit arbeiten. Es mag Geister geben, die sich vorstellen mögen, wie das prähistorische Leben der Menschheit ausgesehen haben muss. Meine Empfehlung ist: Anstatt zu träumen sich einfach mal in einen Kindergarten begeben! Manche von den Kleinen befinden sich bereits auf einer kommunikativ-sozialen Ebene, aber viele von ihnen grunzen und brüllen noch, wenn es um darum geht, Bedürfnisse zu artikulieren. Einer meiner Favoriten ist ein Junge, der vor allem gern durch eine immense Lautstärke seines Organs auf sich aufmerksam macht. Vor den Mahlzeiten sagen die Erzieherinnen immer ein Gebet auf, welches unter anderem die Aufforderung enthält, ruhig beim Essen zu sein. Die Stellen, die er bereits verinnerlicht hat, brüllt er dabei aus voller Kehle heraus - als wenn jemand volle Kanne brüllen würde: „WIR SIND JETZT RUHIG!!!“ :-D
2. Trotz des unglaublichen Ausmaßes an Irrationalität und urzeitmenschlichem Verhalten, trotz all solchen Aktionen wie: „Mal schauen, was passiert, wenn ich meinen vollen Teller einfach mal herum drehe.“ oder „Mh, wieso klappt das eigentlich nicht, mit einem ganz normalen Schritt eine Ebene hochzuklettern, die ungefähr fast genauso groß ist wie ich?“ oder „Ich halte einfach mal meinen Ellbogen ins Essen.“ oder „Ich versuche einfach mal ohne Rücksicht auf Gegenverkehr die Rutsche hochzuklettern. AUTSCH!“ oder „Hey, ich krabbele einfach über dich drüber, obwohl du noch schläfst.“ oder „Das merken die Erzieher bestimmt nicht, wenn ich das ganze Essen, das ich nicht mag, einfach auf den Teller von meinem Nachbarn ablade.“ (das letztere, nebenbei bemerkt, eine Aktion, die ich mir gerne unter Erwachsenen im Restaurant vorstelle) - trotz alledem zu beobachten, wie die Kleinen jeden Tag aufs Neue grundlegende Techniken erlernen, um das Leben zu meistern, über die simpelsten Sachen staunen können und sich irgendwie auf dem Weg befinden, vernunftgeleitete Wesen zu werden, ist ein großartiges Erlebnis, das ich auch gern völlig kitschig als das Wunder des Lebens bezeichnen mag. Mein größter Respekt gilt den Erziehern, die sich jeden Tag aufs Neue darauf einlassen.
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| Streets of Capão |
Nach der Arbeit lerne ich Portugisisch, komponiere und übe Gitarre. Neuerdings mache ich auch Leichtathletik zusammen mit Lia und dem schnellsten Mann, den ich jemals kennen gelernt habe, meinem Kollegen Bello. Das Training ist hart und oft, ich bin aber sehr froh darüber, da die kohlenhydratreiche Ernährung hier in Verbindung mit der vorhanden Gastfreundschaft sich in gewisser Weise auf das Körpervolumen und -gewicht auswirken kann. Oder um es in Bellos Worte zu fassen: „Alle Freiwilligen sind bisher fetter geworden!“
Das soll es von mir an dieser Stelle gewesen sein. Meine Co-Freiwillige Lia bloggt neuerdings auch über ihren Stay hier. Hier könnt ihr ihr einen Besuch abstatten. Achso und Musik darf natürlich nicht fehlen! Hatten Villa-Lobos schon? Der Typ, der die super genialen Preludien für die Gitarre geschrieben hatte? Nein? Dann wird es aber Zeit!
Ahoi!


