Donnerstag, 16. Oktober 2014

Hakuna Batata

Batata heißt Kartoffel. Man könnte dieses Zusammenspiel aus Swaheli und Portugisisch folgend übersetzen: „Es gibt keine Kartoffel.“ Das stimmt nicht ganz. Es gibt hier schon welche, doch werden sie nicht so ausgiebig konsumiert wie im Land der Alemannen (Das deutsche Volk atmet auf!). Außerdem gibt‘s hier Süßkartoffeln für einen Spottpreis, aber eigentlich habe ich keine Lust, euch weiter mit Gemüse zu langweilen. Es ist einiges passiert. Ich möchte ausfürlich berichten. Unter anderem von der Notfallpädagogik. Doch dazu später mehr. Eine jede Geschichte braucht ihren Anfang.

Es war einmal ein Kater. Er stand Busbahnhof irgendwo in den Weiten Brasiliens und wollte nach São Paulo fahren - allein in die 20-Millionen-Stadt. Ihm klopfte ein wenig das Herz, war es doch das erste Mal, dass er so richtig allein mit seinem platten A1-Portugisisch durchs Land der roten Erde reiste. Er folgte der Einladung seines pädagogischen Koordinators Reinaldo auf ein Seminar über Notfallpädagogik - irgendwo dort in dieser riesigen Metropole.

Der Kater saß also am Busbahnhof (rodoviário, sprich hodowiaariu - ein Wort, das man kennen sollte, wenn man von A nach B kommen möchte) und wartete zusammen mit anderen Reisenden auf seinen Bus, als nun vom Geschäft der gegenüberliegenden Straßenseite ein untersetzter Mann in hautengem Fußballtrikot, welches seine Bierplautze besonders ungünstig betonte, mit zwei Fresskörben unter den Armen angedackelt kam, genau vor mir stehen blieb, da ich ungünstigerweise genau auf der Mitte des Wartebereichs Platz genommen hatte und damit begann, lautstark seine Produkte feilzubieten. Ich habe nicht alles verstanden, aber durch die ständigen Wiederholungen, die er über den Platz brüllte, bekam ich mit, dass es sich bei seinen Waren um so ausgefallene Dinge wie Wasser, Cola, Pommes und Salzgebäck handelte - also alles Dinge, die man auch ohne Probleme im rodoviário bekam, wenn man sich die Mühe machte, den Hintern hochzunehmen und 10-15 Meter zur Imbissbude (lanchonete, sprich lanschonäätschi) zu gehen. Alle Anwesenden gaben sich Mühe so zu tun, als wäre der Typ nicht da und ich durfte um Himmels Willen nicht anfangen zu lachen! Nun war es so, dass sich im Wartebereich - wie auch sonst an jeder Ecke - zwei Straßenhunde aufhielten. Die Brasilianer sind natürlich keine Unmenschen (meistens gibt es sogar irgendjemanden, dem so ein Hund gehört) und stellen normalerweise den Viechern Wasser hin. So auch bei uns im Wartebereich. Der Typ also bemerkte (und kommentierte deutlich vernehmbar), dass man mal wieder das Wasser von den Hunden wechseln sollte, was er natürlich sofort in die Tat umsetzte. Er schüttete das alte Wasser auf dem Parkplatz aus und schlenderte dann gemütlich zum Klo (banheiro, ausgeprochen banjeeru), um den Napf wieder aufzufüllen. Dabei kommentierte er seine Handlungen unüberhörbar, damit absolut jeder im Busbahnhof wusste, was gerade Außergewöhnliches geschah. Nach verrichteter Arbeit versuchte er auf ein Neues uns für seine Snacks zu begeistern, doch immer noch gab es keine Resonanz "im Publikum". Hartnäckig wie der Herr jedoch war, gab er so schnell nicht auf. Er machte nicht gerade den Eindruck, dass er einfach so unverrichteter Dinge wieder abziehen würde. Doch er schaltete einen Gang runter. Nun fing er an ein Lied über Jesus (Dschässuss) anzustimmen und so war also der Moment gekommen, bei dem ich mein unterdrücktes Lachen nicht mehr halten konnte. Das Spektakel ging weiter: Mittlerweile versuchte einer der Wartenden sich die Zeit damit zu vertreiben, indem er anfing, einen Straßenhund mit Würstchen zu verköstigen. Als jedoch nun sein Bus anrückte, beschloss er seine Aufgabe an den Verkäufer im Trikot abzugeben und überreichte ihm eine Plastiktüte mit den Würtchen. Keine zwei Minuten später sehe ich ihn, wie er sich die Fleischereirerzeugnisse selbst in den Rachen schiebt. Hatte sich also doch gelohnt, herzukommen!

Mein Bus kam und ich fuhr vier Stunden durch die Landschaft. Danach verlor ich mich abermals vier Stunden lang durch São Paulo, wobei ich es erstaunlich finde, dass ich letztendlich trotzdem noch irgendwann an mein Ziel gelangte. In der Regel war es so, dass ich in irgendein Verkehrsmittel einstieg, es dann irgendwo anders wieder verließ und erst einmal absolut keine Ahnung hatte, wo ich war. Das aller Schlimmste sind die normalen Linienbusse. Zwar haben die meisten Haltestellen Namen, aber sie werden im Bus weder angesagt, noch angezeigt. Du musst also quasi wissen oder erkennen, wann du raus musst und für jemanden, der noch nie mit den Dingern gefahren ist, stellt sich das in gewisser Weise als Schwierigkeit dar. Ich hatte das große Glück, dass ein Mädel unter den Fahrgästen relativ gut in Englisch aufgestellt war und sie mir mit ihren Karten-Apps auf ihrem Handy weiter half. Ansonsten wäre ich, glaube ich, sonstwo gelandet. Generell musste ich mich an jeder Ecke durchfragen und so schaffte ich es dann irgendwie bei den Freunden der Erziehungskunst zu landen. Es war ein recht bedrückendes Ankommen, da unweit der Associação Amigos da Arte de Educar gerade ein Motorollerfahrer tötlich verunglückt war und der Plastiksack noch auf der Straße lag - umringt von Polizei und Schaulustigen.

Irgendwo zwischen den Häusern

Ich lernte Bernd Ruf kennen, den Begründer der Notfallpädagogik und wir aßen gemeinsam mit Reinaldo und ein paar anderen von den Freunden zu Abend, bevor das Wochenendseminar mit einem Einführungsvortrag begann. Viele Leute haben vielleicht schon einmal etwas von Ärzte ohne Grenzen gehört und es gibt sogar Ingenieure ohne Grenzen, habe ich mir einmal sagen lassen. Salopp könnte man formulieren, dass die Notfallpädagogik ein pädagogisches Equivalent darstellt mit der Besonderheit, dass sie auf den Anschauungen der Waldorfpädagogik basiert. Gegründet wurde das Projekt im Jahre 2006, als zur Zeit der Fußball-WM der Herren ein Kinderfest in Stuttgart stattfand, bei welchem Schüler von Waldorf-Initiativen aus der ganzen Welt teilnahmen. Das Problem: Als der als Libanonkrieg bezeichnete gewaltvolle Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah auftrat, konnten die libanesischen Jugendlichen und deren Betreuer, die an dem Fest teilnahmen, nicht mehr in ihr Heimatland zurückkehren, da ein Flughafen zerstört war. Bernd organisierte eine Rückfahraktion über Syrien, an welcher er selbst teilnahm. Dort erlebte er leibhaftig, was ein Krieg bedeutet und lernte viele traumatisierte Kinder und Jugendliche kennen. Basierend auf seinen Vorkenntnissen als Sonderpädagoge und Waldorflehrer entwickelte er Methoden zur praktischen Intervention bei traumageschädigten Kindern und Jugendlichen und ist mittlerweile mit seinen Teams schon an vierzig notfallpädagogischen Aktionen beteiligt gewesen - u.a. in Gaza, auf den Philippinen und jüngst im Nordirak.

Nun bin ich zwar persönlich alles andere als ein Fan der Weltanschauungen Rudolf Steiners, jedoch finde ich auch, dass man einen Baum nach seinen Früchten bemessen sollte und bekenne einen großen Respekt vor den Leistungen der Notfallpädagogik. Über das Wochenende haben wir Teilnehmer in Erfahrung bringen können, was aus waldorfpädagogischer Sicht ein Trauma ist, wie es sich entwickelt und verhält und wie man es mit pädagogischen Mitteln behandeln kann. Die theoretischen Vorträge von Bernd wechselten sich dabei stets mit praktischen Workshops ab, die die vielen Powerpointfolien deutlich auflockerten. Workshops gab es im Bereich des Aquarellmalens, der Eurythmie und der Spielpädagogik. Um das Gelernte in ganz wenigen Sätze mit eigenen Worten zusammenzufassen: Nach einem traumatischen Schockerlebnis verdrängen Menschen in der Regel das Erlebte und versuchen unbewusst Strategien zu entwickeln, etwaigen zukünftigen Gefahrensituationen aus dem Weg zu gehen, wobei es durchaus passieren kann, dass sie neurotische oder psychotische Verhaltensmuster produzieren. Traumatisierte Menschen haben in der Regel ein schlechtes Körpergefühl, ein verkümmertes soziales Leben sowie eine geringe Achtung vor dem eigenen Selbst. Zu dem persönlichen Leidensdruck gesellt sich die Gefahr, vom Opfer zum späteren Täter zu werden. Praktische Interventionen bieten massives soziales und erlebnispädagogisches Spiel, das Herstellen von Rhythmen im Tagesgeschehen (wie z. Bsp. die gemeinsame Einnahme zeitlich geregelter Mahlzeiten) und die Förderung von kreativ-musischen Kompetenzen auf allen Sinneskanälen. Wer sich für das Thema weiterhin interessieren sollte, sei an die Seite der Freunde verwiesen. Es ist auch ein Buch über das Thema erschienen, natürlich von Bernd selbst verfasst und gerade erst auch in portugiesischer Sprache erschienen. Ach so, und vergesst den Like nicht!

Innenhof der Pádeira

Ansonsten hatte ich mich tierisch gefreut, neben den Leuten von den Freunden auch ein paar von meinen brasilianischen Mitfreiwilligen wieder zu sehen. Es war eine sehr angenehme Zeit mit viel Gastfreundschaft, Lachen und angenehmen Gesprächen. Untergekommen war ich in der Pádeia, einer Einrichtung für Theater, Kunst und Kultur, in welcher auch zwei Freiwillige von uns arbeiten. Das Ding hat sogar einen deutschen Internetauftritt, also schaut mal rein! Was ich nebenbei unglaublich crazy fand, war der Umstand, dass ich an diesem Ort, irgendwo in diesem Moloch von einer Metropole durch Zufall ein paar Deutsche von meinem Hinflug nach Brasilien wieder traf, die hier ein Kunstfestival unterstützten und Urlaub machten. Kartoffeln ziehen sich scheinbar unbewusst an!

Der Rückweg war ähnlich spannend wie die Hinreise. Eine Dreiviertelstunde im unklimatisierten Stadtbus bis mir schlecht wurde. Und dann vier Stunden auf den Reisebus warten, weil der Nachmittagsbus sonntags nicht fuhr (was jedoch auf der Internetseite des Unternehmens anders vermerkt war). Naja, immerhin kannte ich nun den Weg. Auf dem Busbahnhof ist mir ein Baby aufgefallen, weil es - von seiner Mutter getragen - immer mal wieder undefinierbare Schreiattacken bekam. Die beiden saßen dann während der ebenfalls vierstündigen Rückfahrt genau neben mir. Aber sowas bin ich ja bereits aus meiner Einrichtung gewöhnt...

Á propos, ich bin mittlerweile dabei, die kleinen Scheißer besser kennen zu lernen. Dass ich in der Kleinkindgruppe bin, hat so seine Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite stellt das Portugiesisch kein Problem dar, weil die meisten eh nur kaum bis nicht sprechen können, andererseits lerne ich so die Sprache auch nicht wirklich. Naja, die Erkenntnis: Liebe kennt keine Sprachbarriere *schnulz*

Meistens hatte ich in der vergangenen Woche mit meinem kleinen Schreimonster zu tun. Sie macht sich jeden Tag besser. Ab und zu erlebe ich es, wie sie sich mit den Spielgeräten im Hof allein beschäftigt und vereinzelt gibt es sogar sozialen Kontakt mit den anderen Kids, jedoch auch meist nur von den anderen initiiert. Das Draußenspiel, was jetzt aufgrund von besserem Wetter täglich stattfindet, bietet ihr ziemlich viele Möglichkeiten die Welt zu entdecken. Die Spielzeuge sind zwar zu einem großen Teil aus Plastik und nicht waldorfgerecht, aber dafür, dass wir hier in einer recht armen Region sind, ist die Ausstattung eigentlich super. Mir persönlich geht das auch an meinem wuscheligen Katzenhintern vorbei; ich schreibe das hier nur so explizit, weil es irgendwelche „Pädagogen“ geben soll, die sich gerne über so etwas aufregen (ihr habt‘s erraten: natürlich allesamt Kartoffeln, die hier mal zu Besuch gewesen sind). Jedenfalls merke ich, dass meine kleine Heulboje jeden Tag neue Sachen lernt. Sei es das Schließen und Öffnen der Fenster von dem einen Häuschen auf dem Gelände, Treppensteigen oder vertrocknete Blätter zu zerraspeln. Mein absolutes Highlight ist folgendes: Die eine Erzieherin aus der anderen Krabben-Gruppe, die mit uns zusammen draußen ist, sitzt manchmal unter dem einen Baum und hat einen magischen Grashalm in der Hand, mit dem sie die Kinder in Vöglein, Hunde, Schmetterlinge (passarinhos, cachorros, borboletas - passarienjus, kaschoorrus, borbolähtas) und anderes Getier verwandelt. Dazu tippt sie die Kiddies mit dem Halm an und sagt "Bing!". Die Kinder rennen dann für gewöhnlich wie die Bekloppten durch die Gegend. Das haben ich und die Kleine natürlich nachgespielt und wenn ich ihr jetzt einen Halm in die Hand drücke, tippt sie damit die anderen Kinder an und sagt: "Bamng." Das ist so eines ihrer ersten Protowörter. Ich bin so stolz! Ansonsten versuche ich es beim Füttern so zu machen, dass sie mit mir den Löffel und den Becher gemeinsam hält, damit sie so das Selber-Essen schonmal ein wenig lernen und die Geschwindigkeit beim Essen kontrollieren kann.

Jup, ich habe einen kleinen Narren an ihr gefressen, was auch so seine Vor- und Nachteile hat. Sie kriegt natürlich von mir viel mehr Aufmerksamkeit als die anderen und manchmal klammert sie auf jeden Fall viel zu viel. Die Kiddies spielen immer eine Stunde draußen vor dem Abendessen. Nach spätestens einer Dreivierelstunde ist sie fix und fertig mit allem und will nur noch getragen werden. Aber sie ist nicht das jüngste Kind. Die Kleinste lernt gerade einmal das Laufen, braucht auch ganz viel Beachtung und muss oft getragen werden. Sie ist die Tochter von der einen Erzieherin aus meiner Gruppe und kann oft nicht so wirklich ruhig sein, was vor allem beim Mittagsschlaf schnell mal ein wenig ausarten kann. Wenn irgendein Kind wach wird, weiß es in der Regel, dass es ruhig bleiben muss, weil die anderen noch schlafen und es bekommt dann ein Kuscheltier, um sich zu beschäftigen. Nicht so die Kleine: Wenn sie nicht gerade schreit und damit den ganzen Saal aufweckt, fängt sie wie ein Sportflitzer an drauf los zu krabbeln - leider auch manchmal über die anderen hinweg und brabbelt dabei recht unbesorgt vor sich hin - "Ah! Gigiii!"

In keiner Kleinkindgruppe darf der Sadist fehlen. 2010 hatte ich einmal ein paar Monate im Waldorfkindergarten in Magdeburg gearbeitet und da gab es so einen kleinen, knuffigen, pausbäckigen Buben, der die anderen immer übelst hart schuppte. Wenn du ihn ermahnt hattest, schaute er dich einfach nicht an und verzog keine Miene. Ich fragte die Erzieherin, ob es es so etwas einen kindlichen Sadismus gäbe. "Auf keinen Fall!" schmetterte sie meine Frage ab, womit die Diskussion beendet war. Ein Erlebnis, was unter anderem dazu beigetragen hat, warum ich Waldorf eigentlich nicht ganz so ernst nehme. Die Lektüre einiger psychoanalytischer Werke später scheint jedoch meine Bedenken eher zu bestätigen. In jedem von uns sind destruktive und aggressive Kräfte am Werk. Bei manchen mehr und bei anderen weniger stark im Außen, von den meisten verdrängt. Gerade in frühkindlichen Epochen unseres Lebens können besagte Strebungen besonders augenscheinlich zum Vorschein treten, aber ich wollte hier eigentlich kein Referat halten sondern berichten. Hin und wieder stelle ich mir vor, was wohl die Kiddies machen werden, wenn sie groß sind. Ab und zu kommt mir auch der Gedanke, dass Erwachsene, die so drauf sind wie meine kleinen Schutzbefohlenen definitive Fälle für die Klapse wären (á la Convos with my 2-year-old, Achtung: Lachanfall vorprogrammiert!). Jedenfalls gibt es da den kleinen G., der gerne mal zubeißt. Du musst echt wie ein Schießhund aufpassen, denn wenn er in der Nähe von anderen ist, fängt bald jemand an zu schreien. Das gleiche Schema wie damals: absolute Ausdruckslosigkeit in seinem süßen, knuffigen Babyface. Und du kannst 10 mal was sagen, ohne dass es den geringsten Einfluss auf ihn hat. Seine bevorzugten Opfer: Mädchen, die jünger als er sind. Was seinen Fall besonders macht: Manchmal kriegt er Heulattacken, bei denen ich keine Ahnung haben, was sie auslösen. Sie halten auch nur kurz an. Es sind die Momente, wo man ihn am deutlichsten hört. Ansonsten ist er sehr still. Ein zwanzigsekündiges dumpfes "Baaaaah!" und das war‘s dann auch schon. Er beschäftigt sich die meiste Zeit allein (wenn er nicht gerade wieder zuschlägt). Ich kann ihn mir später sehr gut als verrückten SS-Wissenschaftler vorstellen, der Experimente an Menschen durchführt oder als jemanden, der sich nachts in dunklen Parks versteckt, um weiterhin seine Phantasien aus frühen Kindertagen befriedigen zu können. Ansonsten mag er es sehr, wenn man ihn auf den Armen hat und schaukelt. Man darf halt Kindern absolut nichts übel nehmen und muss manchmal eben 10.000 mal "dudu!" sagen.

Dann gibt es da noch einen, der ist so herrlich treudoof! Ganz harmloser lieber Bub. Manchmal kriegt er auch so eigenartige Heulkrampfattacken. Vielleicht vermisst er seine Ma, wer weiß? Der Hammer ist, dass meine Taktik vom ersten Versuch an immer wieder funktioniert hat. Er fängt an zu schreien und ich schaue ihn einfach so unseriös ernst/böse an wie z. B. jemand, der sich als Weihnachtsmann verkleidet hat und alle Kinder fragt, ob sie auch artig waren und dann hört der Typ auf mit weinen und grinst. Echt der Hammer!

So viel geschrieben, wie immer wenig Bilder und zum Schluss noch schöne Musik! Diesmal Bola Sete! Ausgebildeter klassischer Gitarrist, der brasilianischen Musik immer nah gewesen und dann völlig ausgeflippt, als er was von Django mitbekam. Unglaublich nicer Sound!

Samstag, 4. Oktober 2014

Wahlkampf, Baby & Musik

Ahoi Leute!

Zunächst einmal: Wer mag, kann HIER nachverfolgen, was ich für tolle Abenteuer mit meinem Visa-Antrag erleben konnte.

Es ist ziemlich kalt geworden in den letzten Tagen. Die Häuser hier sind nicht so gut isoliert wie in Kartoffelland und ich bin echt froh, dass ich mir einen Pullover und dicke Strümpfe mitgebracht habe.

Großartig mit neuen Bildern kann ich euch gar nicht zuballern; ich hatte heut nämlich meine Kamera nicht dabei, was ich ein bisschen schade finde. Es sind nämlich ein paar lustige Sachen passiert.

Ich war mit Peggy und ihrer Tocher Rafaela Sophia in der Stadt unterwegs zum Einkaufen und um ein paar Dinge zu erledigen. Da morgen die Wahl ansteht, läuft der Wahlkampf auf Hochtouren. Es ging gar nicht! An jeder Ecke standen Leute herum, die Parteifahnen schwenkten und alle drei Minuten fuhr ein zugeklebtes, mit Fahnen behangenes Auto an mir vorbei. Aus Lautsprecherboxen dröhnte ohrenbetäubende Wahlpropaganda, dass ich mich nicht mehr mit meinem Gegenüber unterhalten konnte.

Wir haben ein paar Geschäfte abgeklappert und sind gerade in einem Schreibwarenladen (uma papelaria) und auf einmal kommt der Spitzenkandidat der Grünen Partei (Partido Verde) für die Region reinmaschiert, zwingt uns seine schmierigen Hände zu schütteln, erzählt uns was von: „Lasst uns gemeinsam für unsere Stadt kämpfen!“ oder so, drückt uns noch ein paar Blätter mit Wahlpropaganda in die Pfoten und verzieht sich ins nächste Geschäft. Unterunterbrochenes starres Grinsen, nebenbei bemerkt.

Genau der Typ. Grins!

Da ich selbst in einer sozialistischen Partei in Kartoffelland Mitglied bin, musste ich mir vorstellen, wie ich happy-smiley-mäßig die Hände der Leute abschüttelnd durch die Magdeburger Innenstadt laufe und bin entsprechend aus dem Feiern nicht mehr heraus gekommen. Ich bin gerade einmal dabei das politische System Brasiliens zu erfassen. Soviel habe ich schon einmal mitbekommen: Die Leute bekommen Geld von den Parteien, wenn sie den ganzen Tag lang mit einer Fahne an der Straße stehen und wedeln oder sich ihr Haus oder Auto mit Wahlpropaganda zukleistern. Das bedeutet, sie müssen schonmal keine Parteimitglieder sein. Ich schlussfolgere daraus, dass die Grüne Partei vor Ort recht wohlhabend ist. Irgendwie vermisse ich spezifische Inhalte. Was ich aus dem Wahlprogramm erschließen kann, das ich bekommen hatte, - nebenbei sei bemerkt, dass ich noch recht schlecht im Portugisisch aufgestellt bin - ist, dass sie irgendwie ganz viel bauen und renovieren wollen: 266 Wohnhäuser, 51 km Straße und was weiß ich alles. Das schafft dann irgendwie Arbeitsplätze und so und macht die Stadt schicker. So ungefähr wie die SPD in meiner Heimatstadt Magdeburg. Soziale Themen hingegen vermisse ich auf dem Papier. Naja, jedenfalls steht die Partei ihrem deutschen Equivalent in Sachen Widersprüchlichkeit um nichts nach: Irgendwas von Umwelt erzählen und dann alles auf- und abreißen und mit Beton zuschütten. Und jetzt alle: Mundwinkel nach oben, während der Rest eures Gesichts starr und ausdruckslos bleibt und zehn Minuten so halten!

Kleiner Grusel-Fact nebenbei: Der Spitzenkandidat der Sozialistischen Partei, Eduardos Campos, ist vor ein paar Monaten mit einem Flugzeug abgestürzt und samt allen Insassen ums Leben gekommen. Ganz klarer Fall von tragischem Unfall; hat bestimmt nichts mit den Wahlen zu tun! Wen es interessiert, die News dazu: HIER

Großartig mit neuen Bildern kann ich euch nicht zuschütten, aber vielleicht reizt euch ja die ein oder andere Anekdote aus meiner Arbeitswelt.

Zur Zeit kann man mich Nachmittags oft mit einem Baby auf dem Arm beobachten. Es gibt nämlich ein kleines Mädchen, welches gerade einmal seit zwei-einhalb Wochen im CREAR ist und stark auf mich fixiert ist. Ich brauche nur einmal rausgehen, um das Essen abzuholen, da fängt sie an zu heulen und glaubt wahrscheinlich, ich haue jetzt für immer ab (wie ein Hund :-P ). Das Problem: Sie heult und brüllt auch, wenn ich anwesend bin, sie jedoch nicht gerade auf dem Arm habe. Das ist ihr Ding: getragen zu werden. Da fährt sie voll drauf ab. Es ist dann oft so, dass sie zu meinen Füßen steht, den Kopf zu mir hochstreckt, übelstig verweint und verrotzt ist und wimmert; das heißt dann so viel wie: „Nimm mich endlich auf den Arm, WÄHHHH!" Sprechen kann sie noch nicht; gerade einmal ein wenig laufen. Natürlich nehme ich sie meistens auf den Arm. Sie ist ja noch ganz neu und braucht ganz viel Liebe und Zuwendung. Aber ich kann das halt nicht immer tun, weil ich mich ja auch um die anderen Kinder kümmern muss. Und manchmal natürlich um mich selbst. Einmal bin ich auf Klo gegangen. Als ich wiederkam war sie so dermaßen verweint und verrotzt, ihr hättet geglaubt, irgendjemand hat ihr sonst was angetan!

Manchmal experimentiere ich mit ihr. Schließlich muss sie auch lernen, sich mit den Spielzeugen und Dingen im Raum zu beschäftigen, meine ich. Deswegen habe ich mich einmal auf den Boden gesetzt und bin so auf die Ebene der Kinder gekommen. Da war sie erstmal völlig verdattert. Natürlich hat sie trotzdem gewimmert und versuchte an mir hochzuklettern und einen guten Platz zu ergattern. Das Problem: da war ein anderes älteres Kind auch scharf drauf und das war definitv stärker als sie. Natürlich war Platz für beide auf meinen Armen und Beinen, da hatten sie jedoch keinen Bock drauf. Jeder wollte mich für sich alleine haben. Kinder halt. Ich war dann schnell sowas wie ein Klettergerüst. It was pretty fun.

Ein andermal hatte ich sie gerade getragen, da wurde es allmählig Essenszeit und das bedeutet, dass die Kiddies nun alle Spielsachen ordentlich zurückräumen müssen. Das war voll lustig, ich habe die Kleine dann als so eine Art Kranarm benutzt. Wenn irgendwo ein Spielzeug herumlag, habe ich sie dahin gehalten und sie nahm es. Dann sind wir durch den Raum zum Spielsachenregal "geflogen" und dort lud sie es dann ab. Voll gut die Kleine! Kopf schütteln kann sie auch schon. Das bedeutet ungefähr so viel wie: „Nein ich will nicht damit spielen; ich will dass du mich trägst! WÄÄHHHHHH!“

Die kleine Maus war jetzt seit zwei Tagen nicht in der Einrichtung, weil sie krank ist oder so. Scheiße, irgendwie vermisse ich sie ein wenig. Ohne das Kindchenschema würden Krabben und Nackmulle diesen Planeten regieren; ich sag‘s euch, Leute!

Noch ein paar Bilder und Musik. Ich habe gerade ein bisschen Angst, mein Pulver schon so frühzeitig zu verschießen, aber heute gibt‘s einen der Größten! Und selbst hier in Brasilien super unbekannt. Paulinho Nogueira gehört auch zu den Gitarristen, die mich in ihrem Stil praktisch ziemlich beeinflusst haben! Das Video hier mit der schlechten Qualität ist recht bedeutend, weil er da bei der Wiederholung des Leitmotivs seine später ausgebaute Variation präsentiert und die besteht aus Sternenflimmern, Leute.

Die hinteren Gruppenräume im CREAR

Der Kater macht sich Wasser heiß

Stress - stressiger - Visum

Hey Kids,

ihr wolltet schon immer einmal wissen, wie es so war, sich mit dem bürokratischen Verwaltungsapperat der Sowjetunion auseinander zu setzen oder wie sich in etwa die Hauptcharaktere von Franz Kafkas „Der Prozeß“ und „Das Schloss“ gefühlt haben müssen?

All der Stress für ein paar Stempel

Was nun folgt soll so eine Art Leitfaden für all die Leidtragenden sein, welche die schwere Bürde auf sich genommen haben, ein Visum für ihren Freiwilligendienst in Brasilien zu organisieren. Oder vielleicht habt ihr auch einfach nur Bock, einmal mit zu verfolgen, wie dermaßen nervig es sein kann was man alles so beachten muss, wenn man ein brasilianisches Visum für Ehrenamtliche bekommen möchte.

Gleich vorneweg: Ich stelle hier keinen Anspruch darauf, dass dies hier die richtige Anleitung sein soll. Ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten und wie es bei mir funktioniert hat. Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen trotzdem dabei, sich zu orientieren.

Okay, zwei wichtige Dinge, die ihr erst einmal braucht: Zeit und Geld - Haha! Zeit für die ganze Behördenrennerei und Geld für Beglaubigungen, Übersetzungen, Porto et cetera. Das Visum an sich soll kostenlos sein, was aber eher ein gut gemeinter Scherz sein soll. Warum, werdet ihr gleich lesen...

In Deutschland gibt es insgesamt drei sogenannte Konsularbezirke der brasilianischen Botschaften: München, Frankfurt am Main und Berlin. Da ich in Sachsen-Anhalt gewohnt habe, fiel mir der Konsularbezirk für Berlin zu und dementsprechend musste ich mein Visum dort einreichen.

Für mein Visum brauchte ich insgesamt 14 Dokumente. Sieben aus Brasilien und sechs aus Deutschland sowie den Visumsantrag (Ja, ich weiß, in euren Dokumenten von den Freunden könnte etwas anderes drinstehen).

Brasilianische Dokumente

Aus Brasilien brauchte ich folgende Dokumente:

- Ein Einladungsschreiben zur Aufnahme der beabsichtigten Tätigkeit
- eine schriftliche Beschreibung meines künftigen Arbeitsplatzes und meiner Aufgaben
- eine Verpflichtungserklärung für meinen Unterhalt und die Kosten meiner medizinischen Versorgung sowie meiner Rückreise aufzukommen
- Gründungsurkunden und Satzung/Gesellschaftsvertrag, Ernennungsurkunde der jeweils amtierenden Leitung
- einen Nachweis der Mitgliedschaft im jeweiligen Rat für Sozialhilfe des Bundes/Bundesstaates/der Gemeinde
- einen Nachweis über einen ordnungsgemäßen Vollzeitbetrieb
- eine Bestätigung darüber, in welchem Zeitraum mein Arbeitsverhältnis mit der Einrichtung währt

Am besten ist es, so schnell wie möglich der Einsatzstelle eine Mail zu schreiben, dass sie die Unterlagen postal zukommen lassen sollen. Dass eine Bestätigung über den Zeitraum meiner Arbeitszeit benötigt wurde, fand ich erst heraus, als ich in bei der Botschaft mein Visum einreichte, was zu nervigen Telefonaten und Emailverkehr führte. Also, am besten alles in einem Abwasch! Die Dokumente mussten alle von brasilianischer Seite aus notariell beglaubigt und mit der Unterschrift des Präsidenten der Einrichtung versehen sein.

Dokumente aus Deutschland

So jetzt kommt die Rennerei! Aus Deutschland benötigte ich sechs weitere Dokumente sowie den Antrag fürs Visum. Im Folgenden möchte ich die jeweiligen Amtswege für sie einzeln erörtern, damit es möglichst ersichtlich ist, was für welches Dokument benötigt wird (ich habe nämlich trotz Unterstützung der Freunde und mit Informationen von ehemaligen Freiwilligen einiges falsch gemacht und oft den Überblick verloren).

Geburtsurkunde


Da ihr irgendwann einmal auf die Welt gekommen seid, besitzt ihr oder besitzen eure Eltern eine Geburts- oder Abstammungsurkunde über euch. Das war der einfachste Weg bei mir. Die brauchte ich einfach nur ganz normal in schwarz-weiß kopieren und mit meinem Visa-Antrag einreichen. Beglaubigungen etc. wurden nicht benötigt.

Wer keine Geburtsurkunde besitzt, kann sie sich bei einem Standesamt ausstellen lassen.

Reisepass


Als nächstes brauchte ich eine beglaubigte Kopie meines Reisepasses. Dafür ging ich zu einem Notar und ließ mir lediglich die Seiten kopieren, die persönliche Informationen enthielten!

Rein theoretisch gäbe es auch die Möglichkeit, den Reisepass beim Bürgerbüro kopieren zu lassen. Dort muss jedoch immer der komplette Pass (auch mit allen leeren Seiten) kopiert werden. Wer das machen würde, bezahlt sich später aufgrund der hohen Seitenanzahl bei Beglaubigung und Übersetzung dumm und dämlich, weswegen ich dringend davon abrate!

Mit der notariell beglaubigten Kopie musste ich danach zum Landgericht, um das Dokument überbeglaubigen zu lassen. Das bedeutet, dass das Landgericht überprüfte, ob die Unterschrift des Notars echt war und er zu seiner Amtshandlung befugt war.

Danach musste ich das Dokument von einem beeidigten Übersetzer ins Portugiesische übersetzen lassen, sodass die brasilianischen Behörden auch etwas damit anfangen konnten. Ich ließ das Dokument bei Petra Dietrich übersetzen, die mir von anderen Freiwilligen empfohlen wurde und mir zum Glück auch mit Ratschlägen im Behördendschungel zur Seite stand (www.petradietrich.de). Wer weiterhin nach Übersetzern sucht, wird mit etwas Glück beim Bund Deutscher Übersetzer fündig (http://suche.bdue.de/). Frau Dietrich ließ dann die Übersetzung beim Landgericht in Berlin noch einmal überbeglaubigen.

Nun musste das Dokument von den brasilianischen Behörden legalisiert werden. Das bedeutet, dass der brasilianische Staat das Dokument prüft und als für die brasilianische Bürokratie gebrauchsfähig anerkennt. Das musste ich bei der brasilianischen Botschaft in Berlin machen lassen, da das Dokument in dem Konsularbezirk von Berlin ausgestellt wurde. Ich bin da persönlich vorbeigegangen, da ich gleich alle Dokumente zusammen legalisieren ließ, um danach sofort mein Visum einzureichen.

Okay, der Reisepass ist fertig für‘s Visum!

Meldebescheinigung

Eine Meldebescheinigung gab es für mich beim Bürgerbüro meines Wohnortes. Am besten sollte man auf der Internetseite seiner Stadt vorbei schauen, ob man sich online einen Termin ausstellen lassen kann. Dann hat man nicht so lange Wartezeiten.

Danach musste das Dokument überbeglaubigt werden, was bei einer Landesverwaltungsbehörde geschah - in meinem Fall beim Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, Referat Hoheitsangelegenheiten, Gefahrenabwehr, Ausländerangelegenheiten. Mitunter wird der Dienst auch Ausstellen einer Apostille genannt.

Danach ging es wie auch schon beim Reisepass zur Übersetzung bei Frau Dietrich, Überbeglaubigung der Übersetzung beim Landgericht in Berlin mittels Frau Dietrich und zur Legalisation bei der brasilianischen Botschaft in Berlin.

Bingo, das Ding wäre abgehakt!

Arbeits-/Abschlusszeugnis

Die von meiner Fachschule offiziell herausgegebene Kopie des Abschlusszeugnisses meiner Berufsausbildung musste ich beim Landesverwaltungsamt einreichen, von wo aus sie dann zum Landesschulamt weitergereicht wurde, um die Unterschriften überprüfen zu lassen. Danach ging es wieder zum Landesverwaltungsamt zurück, wo sie den benötigten Stempel bekam.

Danach das Übliche: Übersetzung bei Frau Dietrich, Überbeglaubigung der Übersetzung beim Landgericht in Berlin und Legalisation bei der brasilianischen Botschaft in Berlin. Soweit, so gut.

Führungszeugnis

Ein einfaches Führungszeugnis gab es für mich beim Bürgerbüro meines Wohnortes. Dort gab ich an, dass das Dokument beim Bundesamt für Justiz überbeglaubigt werden sollte. Irgendwann wurde es mir dann mit der Post zugeschickt.

Achtung! In der Regel darf ein Führungszeugnis nicht älter als drei Monate sein, damit die brasilianischen Behörden es akzeptieren. Kümmert euch also am besten eher zum Schluss eurer Behördenrennerrei darum!

Übersetzung bei Frau Dietrich, Überbeglaubigung der Übersetzung beim Landgericht in Berlin und Legalisation bei der brasilianischen Botschaft in Berlin erfolgten hier genauso.

Versicherungschreiben

Die Insurance Confirmation war bei mir so ein bisschen der kleine Außenseiter im fröhlichen Dokumentengespann. Das Schreiben hatte ich von den Freunden zugeschickt bekommen und da es in Detmold ausgestellt wurde, fiel es in den Konsularbezirk für Frankfurt am Main und musste somit dort legalisiert werden.

Ich habe es zunächst vom ortsansässigen Notar Herrn Doktor Michael Haack beglaubigen lassen, der es dann weiter ans Landgericht zur Überbeglaubigung schickte, bevor es dann wieder bei mir im Briefkasten landete.

Ich schickte es weiter an die brasilianische Botschaft in Frankfurt am Main zur Legalisation. Was wichtig ist, ist dem Schreiben ein Beleg hinzuzufügen, dass die Gebühr für die Legalisation gezahlt wurde sowie einen frankierten Umschlag, sodass das Dokument weitergesendet werden kann.

Nun musste die Insurance Confirmation zu einem anderen Übersetzer. Da das Dokument auf Englisch und Deutsch verfasst war und ich jemanden brauchte, der es ins Portugiesische übertragen sollte, brauchte ich einen beeidgten Übersetzer für eben diese drei Sprachen. Eine von meinen Co-Freiwilligen verwies mich an Frau Isabel Meyke (http://www.isabelmeyke.de/), welche die Übersetzung für mich dankenswerterweise erledigte und weiter an Frau Dietrich sandte, die alle Dokumente zusammen für die Überbeglaubigung beim Landgericht in Berlin einreichte.

Visumsantrag

Als ich alle Dokumente zusammen hatte, ging ich auf die Internetseite der brasilianischen Botschaft, um meinen Visumsantrag auszufüllen und drucken zu können (https://scedv.serpro.gov.br/frscedv/index.jsp). Ein Passfoto musste auch mit drauf.

Das ganze Dokumentenbündel habe ich dann bei der Botschaft in Berlin persönlich eingereicht und dann hieß es erst einmal Warten. Nach ein paar Wochen bekam ich einen Anruf, dass alles genehmigt wurde und so schickte ich meinen Reisepass (natürlich mit frankierten Rückumschlag) zur Botschaft, wo mir der heißersehnte Aufkleber reingeklebt wurde. In der Regel kann der Bearbeitungsprozess bis zu acht Wochen dauern, nachdem alle Dokumente eingereicht sind.

Insgesamt habe ich bestimmt gute 600 € bis 700 € gelassen für die ganzen Behördenrennereinen und Übersetzungen. So genau möchte ich das gar nicht wissen. Mir die ganzen Dokumente zu besorgen, dauerte ungefähr vier Monate. Außerdem war es mitunter sau nervig, da ich oft nicht wusste, was ich genau zu tun hatte.

Auf der Internetseite der jeweiligen brasilianischen Botschaft findet man unter dem Stichwort VITEM 1 noch einmal alles aufgezählt, was benötigt wird (hoffentlich aktuell). Außerdem hatte mir Frau Dietrich geholfen, wenn ich gar nicht mehr weiter wusste. Und jetzt haltet euch fest...

Weiter geht es in Brasilien

Auf dem Aufkleber in meinem Reisepass steht folgendes drauf: „Innerhalb von einer Frist von 30 Tagen muss die Anmeldung bei der brasilianischen Bundespolizei erfolgen.“

Als ich dann endlich angekommen war, wandte ich mich an die Leute aus meiner Einrichtung, ob sie mir bei der Anmeldung behilflich sein könnten. Die Erfordernisse sollen von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich ausfallen, habe ich mir sagen lassen. Also besser nachfragen, wer betroffen ist!

Ich musste mich zunächst einmal online bei der Bundespolizei anmelden, um mir einen Antrag auszudrucken und einen Termin geben zu lassen sowie zwei Rechnungen für die Banco do Brasil.

Danach ging ich zum Fotografen, der mir zwei Passbilder nach brasilianischen Maßstäben anfertige.

Dann zur Banco do Brasil, wo die beiden Rechnungen in bar bezahlt werden mussten.

Von da aus weiter zu einem brasilianischen Notar, der nochmal meinen Reisepass kopierte und beglaubigte. Benötigt wurden hier wieder lediglich alle Seiten mit persönlichen Informationen.

Anderntags ging es dann zur Bundespolizei, die ihren Sitz zwei Stunden mit dem Bus entfernt hatte, um die Anmeldung zu vollführen. Zum Schluss gab es einen Stempel im Reisepass sowie eine Art vorläufigen Ausweis, der in drei Monaten abermals bei der Bundespolizei erneuert werden muss.

Bem-vindo no Brasil!